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Warum sein Erbe bis heute wichtig ist

Berlin Tiergarten — Region nahe dem ehemaligen Hirschfeld-Institut

Magnus Hirschfeld machte Berlin zum Ort queerer Wissenschaft und Emanzipation — und bezahlte dafür mit Exil und der Zerstörung seines Instituts. Seine Geschichte ist Teil der Berliner DNA.

Wer war Magnus Hirschfeld?

Magnus Hirschfeld (1868–1935) war Arzt, Sexualwissenschaftler und Aktivist. Er gehört zu den prägendsten Figuren der frühen queeren Emanzipationsbewegung — nicht nur in Deutschland, sondern international. Hirschfeld kombinierte medizinische Praxis, Forschung und politische Arbeit auf eine Weise, die für seine Zeit ungewöhnlich war und seinen Einfluss bis weit ins 20. Jahrhundert hineintrug.

Das Institut für Sexualwissenschaft

1919 gründete Hirschfeld in Berlin-Tiergarten das Institut für Sexualwissenschaft. Es war eine Mischung aus Forschungsinstitut, Beratungsstelle, medizinischer Praxis, Bibliothek, Museum und Treffpunkt. Es bot Eheberatung, Sexualberatung, Behandlungen, Vorträge und Veranstaltungen — und wurde zu einer internationalen Adresse für Wissenschaftler:innen, Patient:innen und Aktivist:innen.

Das Institut bestand bis 1933, als es von Nationalsozialisten geplündert und ein großer Teil der Bibliothek bei der Bücherverbrennung am Berliner Opernplatz zerstört wurde. Hirschfeld selbst, zu diesem Zeitpunkt auf Vortragsreise im Ausland, kehrte nicht nach Deutschland zurück und starb 1935 im Exil in Nizza.

Warum das revolutionär war

Vor Hirschfeld wurde Homosexualität in Deutschland fast ausschließlich als Krankheit oder Kriminalfall behandelt. Hirschfeld arbeitete an einem anderen Ansatz: Er versuchte, sexuelle und geschlechtliche Vielfalt empirisch zu erfassen, statt sie zu pathologisieren. Er führte das Konzept sexueller Zwischenstufen ein, sammelte Daten, beriet Patient:innen und kämpfte aktiv für die Abschaffung des Paragraf 175.

Diese Verbindung aus Forschung, Praxis und Aktivismus ist heute selbstverständlich, war es damals aber nicht. Hirschfeld machte queeres Leben zu einem Gegenstand seriöser Wissenschaft — und damit politisch verhandelbar.

Was das mit Schöneberg zu tun hat

Das Institut lag in Tiergarten, nicht direkt am Nollendorfplatz. Aber die Szene, die Hirschfeld umgab, war Teil derselben Berliner Bewegung, die auch Schöneberg zu einem queeren Zentrum machte. Wer Hirschfelds Vorträge besuchte und anschließend ausgehen wollte, war innerhalb weniger U-Bahn-Stationen in den Bars und Cabarets der Motzstraße. Diese räumliche Verflechtung erklärt, warum sich Hirschfelds Einfluss bis in den Kiez hinein nachvollziehen lässt.

Was heute oft falsch verstanden wird

Hirschfeld war nicht nur Wissenschaftler. Er war eine politisch sichtbare Figur, die in Vorträgen, Schriften, vor Gerichten und in Vereinen Position bezog. Sein Einfluss reichte weit über Forschung hinaus — er war Lobbyist, Berater, öffentliche Person. Wer Hirschfeld nur als entfernten Akademiker liest, übersieht die eigentliche Pointe.

Warum Erinnerung an Hirschfeld wichtig bleibt

Hirschfeld zeigt, dass die Verbindung von Wissenschaft, Praxis und Aktivismus für queere Emanzipation entscheidend war — und ist. Wer queere Geschichte ohne ihn erzählt, lässt einen wesentlichen Teil ihrer Wurzeln weg. Heute erinnert in Berlin unter anderem die Magnus-Hirschfeld-Ufer-Promenade in der Nähe des ehemaligen Institutsstandorts an ihn.

Live im Kiez statt nur googeln

Auch wenn Hirschfelds Institut nicht direkt am Nollendorfplatz stand, gehört seine Geschichte zum größeren queeren Berlin, das wir auf der KiezTour im Kiez greifbar machen. Wer mehr Hintergrund will, findet bei unseren Guides die richtigen Gesprächspartnerinnen.

Häufige Fragen zu Magnus Hirschfeld

Wo lag das Institut für Sexualwissenschaft?

In Berlin-Tiergarten, in der Nähe des heutigen Magnus-Hirschfeld-Ufers. Das ursprüngliche Gebäude existiert nicht mehr.

Was passierte mit dem Institut 1933?

Es wurde von Nationalsozialisten geplündert. Ein großer Teil der Bibliothek landete in der Bücherverbrennung am Opernplatz im Mai 1933.

Warum starb Hirschfeld im Exil?

Er war zum Zeitpunkt der Machtübernahme auf einer Vortragsreise im Ausland und kehrte nicht zurück. Er starb 1935 in Nizza.

Wo kann ich heute mehr über ihn erfahren?

Die Magnus-Hirschfeld-Stiftung in Berlin, das Schwule Museum und wissenschaftliche Publikationen. Auch geführte Touren in Schöneberg streifen seine Wirkung regelmäßig.

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