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Wo der Regenbogenkiez seine Geschichte trägt

Schöneberg hat keine zentrale Gedenkstätte, aber viele kleine Erinnerungspunkte — Tafeln, Stolpersteine, Adressen, an denen sich Geschichte verdichtet. Hier ist eine Orientierung.
Warum queere Geschichte Gedenkorte braucht
Queere Geschichte ist über lange Phasen aktiv unsichtbar gemacht worden — durch Strafrecht, durch zerstörte Akten, durch gesellschaftliches Schweigen. Erinnerungsorte sind ein Korrektiv. Sie sagen: Hier hat etwas stattgefunden, hier sind Menschen gewesen, hier wurde gelebt, geliebt, verfolgt, weitergemacht. In Schöneberg verteilen sich solche Orte über den Kiez — keiner für sich monumental, zusammen aber dicht.
Gedenktafel am Nollendorfplatz
Am U-Bahnhof Nollendorfplatz erinnert seit 1989 eine Tafel mit Rosa Winkel an die Verfolgung und Ermordung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus. Sie ist klein, im Vorübergehen sichtbar und bewusst nicht abgesondert vom Alltagsraum. Genau diese Integration in den Kiez ist ihre besondere Form von Erinnerung.
Stolpersteine und Hausgedenken
An verschiedenen Adressen rund um Nollendorfplatz, Motzstraße und Fuggerstraße liegen Stolpersteine — kleine Messingplatten im Gehweg, die an Bewohner:innen erinnern, die im Nationalsozialismus deportiert oder ermordet wurden. Einige davon erinnern an queere Opfer; sie sind Teil des größeren Berliner Stolperstein-Projekts. Wer den Kiez langsam abläuft und auf den Boden schaut, findet sie an vielen Stellen.
Christopher-Isherwood-Tafel in der Nollendorfstraße
In der Nollendorfstraße 17 erinnert eine Tafel an Christopher Isherwood, der dort zwischen 1929 und 1933 zeitweise wohnte. Die Tafel verbindet Literaturgeschichte mit queerer Geschichte und zeigt, wie eng diese Verflechtungen gerade in Schöneberg sind.
Der Kiez als lebendiger Erinnerungsraum
Erinnerung beschränkt sich in Schöneberg nicht auf Tafeln. Bars, Buchläden wie Eisenherz, Vereine, Schaufenster und ehemalige Locations tragen Geschichten, die nicht alle institutionell verankert sind. Diese mündliche und alltägliche Erinnerung ergänzt die offiziellen Gedenkorte und ist deshalb für viele Tour-Teilnehmer:innen besonders eindrucksvoll: Geschichte lebt nicht nur an Tafeln, sondern in Menschen, die sie erzählen.
Verbindung zu anderen Berliner Denkmälern
Außerhalb Schönebergs steht im Tiergarten das zentrale Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, eingeweiht 2008. Es ergänzt die Kiez-Tafeln um einen staatlich getragenen Erinnerungsort und liegt nur wenige U-Bahn-Stationen entfernt. Wer einen Tag plant, kann beide Ebenen verbinden — Kiezgedenken hier, zentrales Denkmal dort.
Wie man solche Orte besucht
Respektvoll, informiert, ohne Eventisierung. Eine geführte Tour ist eine gute Form, weil sie die Orte ordnen kann und Querverbindungen sichtbar macht, die im Solo-Spaziergang leicht übersehen werden. Wer alleine geht, sollte sich vorher kurz einlesen — die wichtigsten Orte sind dokumentiert, auch wenn sie nicht beworben werden.
Live im Kiez statt nur googeln
Viele laufen an queeren Erinnerungsorten vorbei, ohne sie zu bemerken. Auf der KiezTour zeigen wir, wo der Kiez seine Geschichte offen zeigt — und wo man genauer hinschauen muss. Unsere Drag Queen Guides verbinden offizielle Gedenkorte mit Anekdoten aus der Community.
Häufige Fragen zu queeren Gedenkorten in Schöneberg
Wie viele queere Gedenkorte gibt es im Kiez?
Es gibt mehrere — Tafeln, Stolpersteine, Adressen mit Bezug. Eine vollständige Liste hat keine offizielle Stelle, aber das Schwule Museum und Forschungsarbeiten dokumentieren viele.
Sind die Orte alle frei zugänglich?
Ja. Es handelt sich um öffentliche Gedenkpunkte, Hausfassaden und Gehwege.
Warum gibt es kein zentrales Schöneberger Denkmal?
Schönebergs Erinnerungslandschaft ist bewusst dezentral — sie folgt der Logik des gewachsenen Kiezes statt der eines abgeschlossenen Memorialprojekts. Beides hat seine Berechtigung.
Wie ergänzt sich das mit dem Tiergarten-Denkmal?
Schöneberg ist Kiezgedenken im Alltag, Tiergarten ist zentrale staatliche Erinnerung. Zusammen ergeben sie einen vollständigeren Erinnerungsraum.
Auch interessant auf der KiezTour
Warum dieser Ort mehr ist als ein grauer Block im Tiergarten

Im Tiergarten, schräg gegenüber dem Holocaust-Mahnmal, steht das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. Es erzählt eine spät anerkannte Geschichte — und gehört für viele zum Pflichtprogramm eines queeren Berlin-Besuchs.
Warum diese kleine Tafel so wichtig ist

Am U-Bahnhof Nollendorfplatz erinnert eine Gedenktafel mit Rosa Winkel an homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus. Sie ist klein, leicht zu übersehen — und gehört zu den zentralen Gedenkorten queeren Berlins.
Ein kleines Zeichen mit großer Bedeutung
Wer aus dem U-Bahnhof Nollendorfplatz kommt, sieht zunächst Verkehr, Bars und Regenbogenfahnen. Wer einen Moment innehält, entdeckt an der Außenwand des Bahnhofs eine vergleichsweise kleine Gedenktafel mit Rosa Winkel. Sie wurde 1989 angebracht und gehört seither zu den wichtigsten queeren Gedenkorten Berlins.
Ihre Größe ist kein Zufall: Sie ist Teil des Alltagsraums, nicht abgesondert in einem eigenen Denkmalbezirk. Genau das macht sie wirkungsvoll.
Was bedeutet der Rosa Winkel?
Der Rosa Winkel war im KZ-System der Nationalsozialisten das Kennzeichen, das homosexuellen männlichen Häftlingen aufgenäht wurde. Er funktionierte als Markierung von Entrechtung, sozialer Isolation und gezielter Gewalt im Lager.
Nach 1945 dauerte es Jahrzehnte, bis dieses Symbol als Erinnerungszeichen aufgegriffen wurde. Erst die queere Bewegung der 1970er und 80er Jahre eignete den Rosa Winkel an — als Mahnzeichen, später auch als Symbol queerer Sichtbarkeit. Diese Aneignung ist gleichzeitig eine politische Geste: Wer ein Zeichen der Verfolgung in ein Zeichen der Erinnerung verwandelt, übernimmt Geschichte aktiv.
Die Gedenktafel am U-Bahnhof Nollendorfplatz
Die Tafel wurde 1989 angebracht. Sie erinnert mit dem Rosa Winkel an die Verfolgung und Ermordung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus. Anbringung und Standort waren bewusst gewählt: Der Nollendorfplatz war historisch ein Zentrum der Berliner Homosexuellenszene — und ist heute Mittelpunkt des Regenbogenkiezes. Erinnerung verbindet sich hier mit gegenwärtiger queerer Sichtbarkeit.
Warum dieser Ort im Kiez steht
Andere Gedenkorte in Berlin liegen abgesondert. Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen im Tiergarten ist ein zentraler staatlicher Erinnerungsort, der für sich steht. Die Tafel am Nollendorfplatz funktioniert anders: Sie ist Teil des täglichen Lebens — Menschen laufen vorbei, Touristen fotografieren, ein paar bleiben stehen, andere nicht. Genau diese Nicht-Abgeschlossenheit ist ihr Wert.
Gedenken ohne Pathos
Erinnerung kippt schnell ins Leere, wenn sie nur als Pflichtprogramm absolviert wird. Die Tafel verlangt das nicht. Sie funktioniert auch dann, wenn man kurz innehält, den Text liest und dann weitergeht. Wichtig ist, dass dieser Moment überhaupt stattfindet.
Wer den Kontext kennt, sieht die Tafel anders: Sie steht nicht als isoliertes Zeichen, sondern in einem Kiez, dessen heutige Sichtbarkeit ohne den Bruch durch den Nationalsozialismus eine andere wäre.
Was Besucher dort beachten sollten
Es ist ein Gedenkort, kein Fotomotiv. Selfies vor der Tafel sind nicht verboten, wirken aber respektlos. Wer die Tafel im Vorbeigehen fotografieren will, kann das tun, ohne sie zur Kulisse für sich selbst zu machen. Eine kurze Lesepause ist die angemessenere Geste.
Live im Kiez statt nur googeln
Auf der KiezTour ist dieser Ort kein schneller Fotostopp. Wir nehmen uns Zeit, ihn einzuordnen — weil queere Geschichte eben nicht nur aus Glitzer besteht. Unsere Drag Queen Guides verbinden Erinnerung und Gegenwart, ohne in das eine oder andere Klischee zu kippen.
Häufige Fragen zur Gedenktafel
Wo genau hängt die Tafel?
An der Außenwand des U-Bahnhofs Nollendorfplatz. Sie ist im Vorübergehen sichtbar, aber leicht zu übersehen, wenn man nicht darauf achtet.
Wann wurde die Tafel angebracht?
1989. Sie war eine der ersten dauerhaft sichtbaren Gedenktafeln dieser Art im öffentlichen Berliner Stadtraum.
Gibt es weitere queere Gedenkorte in Berlin?
Ja. Das zentrale Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen liegt im Tiergarten. Weitere Tafeln und Erinnerungsorte verteilen sich über die Stadt.
Lohnt sich der Besuch ohne geführte Tour?
Klar — die Tafel ist frei zugänglich. Mit Hintergrund versteht man allerdings deutlich besser, warum sie genau hier steht und warum die Aneignung des Rosa Winkels durch die queere Bewegung so bedeutsam ist.
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Warum die Weimarer Szene bis heute fasziniert

Berlin der 1920er ist als queere Hochphase legendär. Aber zwischen Cabaret-Mythos und historischer Realität gibt es einen Unterschied — und er ist relevant für jeden, der den Regenbogenkiez verstehen will.
Die Faszination der Goldenen Zwanziger
Cabaret, Marlene Dietrich, Glamour, Nachtleben, Eldorado — wer Berlin der 1920er hört, hat sofort Bilder im Kopf. Diese Bilder sind nicht falsch, aber sie sind unvollständig. Sie blenden gerne aus, dass die Weimarer Republik politisch und wirtschaftlich höchst instabil war, dass Paragraf 175 weiter strafrechtliche Verfolgung möglich machte und dass die schillernde Sichtbarkeit von einem viel kleineren Teil der Bevölkerung getragen wurde, als der Mythos suggeriert.
Trotzdem stimmt das Grundgefühl: In wenigen anderen Orten und Phasen war queeres Leben in Europa so öffentlich verhandelbar wie in Berlin der 1920er.
Berlin als Zentrum queerer Sichtbarkeit
Vor der NS-Zeit hatte Berlin eine lebendige queere Kultur und eine frühe Emanzipationsbewegung. Magnus Hirschfeld gründete 1919 das Institut für Sexualwissenschaft, mehrere Vereine arbeiteten zur Reform des Paragraf 175, Zeitschriften wie Die Freundin oder Der Eigene erreichten ein dauerhaftes Publikum, und die Szene hatte Bars, Cabarets, Bälle und öffentliche Veranstaltungen, die in keinem anderen europäischen Großstadtkontext in dieser Dichte existierten.
Schöneberg und der Nollendorfplatz
Geografisch konzentrierte sich vieles in Schöneberg. Bars rund um Motzstraße und Nollendorfplatz, Cabarets wie das Eldorado, dazu Lokale am Wittenbergplatz und in Tiergarten. Wer Hirschfelds Institut besuchte und anschließend ausgehen wollte, war innerhalb weniger Minuten in einer der dichtesten queeren Infrastrukturen der Stadt. Diese räumliche Nähe hat den Kiez bis heute geprägt.
Wer sichtbar war — und wer nicht
Die schillernde Szene erreichte nicht alle gleich. Sichtbar waren vor allem bürgerliche und gebildete Schichten, mit Geld, Netzwerk und Risikobereitschaft. Lesbische Frauen waren rechtlich weniger verfolgt, hatten aber weniger formale Räume und eine andere Art von Öffentlichkeit. Trans Menschen — damals als Transvestiten kategorisiert — hatten in einzelnen Lokalen sichtbare Räume, aber kaum politische Repräsentation. Arbeiter:innen, prekarisierte Schwule und Lesben, queere Migrant:innen hatten meist andere Realitäten als die Bilder, die in Reiseführern auftauchten.
Diese Unterschiede sind nicht akademisch. Sie verändern, wie wir den Mythos der 1920er heute lesen.
Der abrupte Bruch ab 1933
1933 endete die Weimarer Sichtbarkeit innerhalb weniger Wochen. Bars wurden geschlossen, Vereine aufgelöst, Akten beschlagnahmt, Hirschfelds Institut zerstört. Die NS-Verfolgung traf homosexuelle Männer am stärksten: über 50.000 Verurteilungen unter dem verschärften Paragraf 175, mehrere Tausend Deportationen in Konzentrationslager. Lesbische Frauen wurden seltener formal verfolgt, aber sozial systematisch isoliert. Diese Geschichte gehört zwingend zur Erzählung der 1920er — sonst wird der Mythos zur Folie ohne Schatten.
Warum diese Geschichte heute wichtig bleibt
Sichtbarkeit braucht Orte, Schutz und politische Absicherung. Die 1920er zeigen, was möglich war. Die 30er zeigen, wie schnell es weg sein konnte. Beides zusammen ist die eigentliche Lehre — nicht das eine ohne das andere.
Live im Kiez statt nur googeln
Auf der KiezTour verbinden wir genau diese zwei Seiten: die schillernde Szene der 1920er und die Frage, warum sie so schnell zerstört werden konnte. Unsere Drag Queen Guides stehen vor Adressen, an denen sich Geschichte materialisiert.
Häufige Fragen zum queeren Berlin der 1920er
Was machte Berlin so besonders?
Eine Mischung aus relativer Liberalisierung der Weimarer Republik, einer aktiven Emanzipationsbewegung, dichten urbanen Strukturen und einer kulturellen Offenheit, die in keinem anderen europäischen Großstadtkontext gleichzeitig in dieser Dichte existierte.
War Homosexualität in den 1920ern in Deutschland legal?
Nein. Paragraf 175 stellte sexuelle Handlungen zwischen Männern weiterhin unter Strafe. Es gab Reformbewegungen, aber keine Legalisierung.
Was passierte mit den Bars und Vereinen ab 1933?
Sie wurden geschlossen, aufgelöst oder in andere Nutzungen überführt. Strukturen, die über Jahrzehnte gewachsen waren, wurden in Wochen zerstört.
Wie kann ich diese Geschichte heute erleben?
Im Schwulen Museum, in wissenschaftlichen Publikationen, an Gedenkorten wie der Tafel am Nollendorfplatz und auf Stadtführungen, die historische Adressen einbeziehen.
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Warum die queere Geschichte Schönebergs nie nur schwul war

Schönebergs queere Geschichte wird oft als reine Männergeschichte erzählt. Das ist falsch. Hier ist die lesbische Seite des Regenbogenkiezes — was wir wissen, was wir vermuten, was wir nicht wissen.
Warum diese Geschichte oft untergeht
Wer queere Geschichte liest, stößt überproportional häufig auf Männer: Hirschfeld, Isherwood, das Eldorado, Paragraf 175. Das hat Gründe — aber es ist nicht das vollständige Bild. Lesbische Geschichte ist in der Forschung lange unterbelichtet geblieben, und gerade in Schöneberg gibt es eine Tradition, die in vielen Stadtführungen kaum vorkommt.
Diese Lücke ist nicht zufällig. Sie hängt mit Paragraf 175 zusammen, der lesbische Frauen nicht direkt strafrechtlich verfolgte, was paradoxerweise dazu führte, dass weniger Akten, weniger Polizeiprotokolle und weniger formale Quellen entstanden — und damit weniger das, woraus klassische Geschichtsschreibung gemacht wird.
Schöneberg als Treffpunkt lesbischer Community
Die Gegend rund um den Nollendorfplatz war in der Weimarer Republik auch ein wichtiger Treffpunkt lesbischer Community. Es gab Frauenclubs, Vereine und Lokale, in denen sich Frauen trafen, die ihre Beziehungen nicht verstecken mussten. Manche Adressen waren explizit als Damenclubs ausgewiesen, andere waren gemischt nutzbar — abhängig von Wochentag, Uhrzeit und Veranstaltungsformat.
Berlin hatte in dieser Zeit auch lesbische Zeitschriften wie Die Freundin, die Treffpunkte, politische Themen und Leser:innenbriefe veröffentlichten. Damit existierte eine Art lesbische Öffentlichkeit, die in Europa zu dieser Zeit selten war.
Bars, Vereine, Zeitschriften, Netzwerke
Konkret belegt sind unter anderem Lokale, in denen Tanzveranstaltungen für Frauen stattfanden, Vereine, die soziale und politische Funktionen verbanden, und Publikationen, die ein bewusstes Publikum hatten. Diese Strukturen waren nicht im selben Maße touristisch beworben wie etwa das Eldorado, aber sie waren dichter und alltäglicher Teil der Community als manche heutige Erzählung suggeriert.
Bei der Ausarbeitung lohnt sich Vorsicht: Nicht jede in Reiseführern genannte Adresse ist historisch identisch belegt. Wer sich in der Materie orientieren will, findet im Schwulen Museum und in Forschungsarbeiten zu lesbischer Geschichte Berlins solide Quellen.
Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit
Lesbische Geschichte hat ein strukturelles Sichtbarkeitsproblem. Wo schwule Geschichte oft mit dem Bild des öffentlichen Bars und mit Verfolgungsakten arbeitet, blieb lesbische Geschichte häufig in Wohnungen, Salons, kleineren Clubs und privaten Netzwerken. Das war zum Teil Schutz, zum Teil Notwendigkeit, zum Teil eine andere Form der Geselligkeit.
Für die Erinnerungspolitik bedeutet das: Es reicht nicht, bekannte Adressen aufzuzählen. Lesbische Geschichte muss aktiv sichtbar gemacht werden, sonst verschwindet sie.
Warum eine moderne Kieztour das mitdenken muss
Eine Stadtführung, die queere Geschichte ausschließlich als schwule Männergeschichte erzählt, reproduziert genau das Problem, das sie eigentlich aufbrechen sollte. Eine gute Tour benennt Forschungslücken, hebt lesbische Adressen hervor, wenn sie belegt sind, und bleibt vorsichtig, wo Quellen dünn sind.
Was Besucher heute daraus lernen können
Erstens: Queere Geschichte ist plural. Schwul, lesbisch, trans, bisexuell — diese Geschichten sind verflochten, aber nicht identisch. Zweitens: Wer nichts findet, findet nicht zwingend nichts, sondern nichts in den klassischen Akten. Drittens: Sichtbarkeit ist ein politisches Projekt, nicht ein Zustand.
Live im Kiez statt nur googeln
Unsere KiezTour schaut bewusst nicht nur auf die lauten, bekannten Geschichten. Gerade im Nollendorfkiez wird sichtbar, wie vielfältig queeres Leben schon vor 100 Jahren war. Unsere Drag Queen Guides machen diese Vielfalt zum Thema, statt sie wegzukürzen.
Häufige Fragen zur lesbischen Geschichte Schönebergs
War Schöneberg auch lesbisches Zentrum?
Ja. Es war nicht ausschließlich lesbisch geprägt, aber lesbische Treffpunkte und Publikationen waren Teil der Weimarer Szene rund um den Nollendorfplatz.
Warum hört man weniger über lesbische Bars?
Paragraf 175 verfolgte lesbische Frauen nicht direkt strafrechtlich. Das führte zu weniger Akten und zu einer geringeren formalen Sichtbarkeit — nicht zu weniger gelebtem Leben.
Existieren heute noch lesbische Räume in Schöneberg?
Die Szenelandschaft ist heute weniger getrennt nach Geschlechtern als in den 1920ern, aber es gibt explizit FLINTA*-orientierte Bars, Veranstaltungen und Initiativen in der Gegend.
Wo erfahre ich mehr?
Das Schwule Museum stellt explizit auch lesbische Geschichte aus. Wissenschaftliche Publikationen und Bücher zu lesbischer Geschichte Berlins ergänzen das Bild.
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